Aschewolke
Von Ernst August Ginten 18. April 2010, 16:42 Uhr
Verkehrsminister Peter Ramsauer wehrt sich gegen die Vorwürfe der Airlines, das Flugverbot sei überzogen. Der CSU-Politiker sagte der "Bild"-Zeitung, er halte sich "strikt an internationale Vorgaben" und sei kein "Panikminister". Durch das Verbot entsteht den Fluggesellschaften ein riesiger wirtschaftlicher Schaden.

Foto: dpa
Verkehrsminister Peter Ramsauer informiert sich an der Wetterstation des Flughafens Hamburg über die Lage der Vulkanwolke.
Der Luftraum über Europa wird noch für mehrere Tage geschlossen bleiben. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geht davon aus, dass das derzeitige Flugverbot über Deutschland und weiten Teilen Europas als Folge des Vulkanausbruchs auf Island „witterungsbedingt auch noch für die nächsten Tage gilt“. Vereinzelt wurden zwar am Sonntag Flughäfen in Deutschland und Frankreich für vier Stunden und eingeschränkt freigegeben. Dies wurde von Branchenexperten als symbolischer Akt gewertet. Denn die Piloten müssen in der Regel sechs Stunden vor Abflug am Airport sein, um ihre Flüge vorzubereiten.
In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung wies der CSU-Politiker zugleich Kritik vonseiten der Fluggesellschaften an dem Flugverbot zurück. Er sei „kein Panikminister“, betonte Ramsauer. Er halte sich mit dem Flugverbot „strikt an internationale Vorgaben“, wie im Falle von Vulkanasche vorzugehen sei.
Viele Fluggesellschaften in Europa machen unterdessen Druck auf ihre Regierungen und die Europäische Kommission. Sie halten die Sperrung fast des gesamten europäischen Luftraumes für überzogen und kritisieren das schlechte Krisenmanagement der Politiker. Derzeit besteht das Flugverbot europaweit nur auf Basis der Daten aus einer Computersimulation des Volcanic Ash Advisory Centre in London.
Testflüge mit großen und kleinen Passagierjets am Samstag und Sonntag in verschiedene Höhen seien aber allesamt ohne Schäden absolviert worden, hieß es bei Lufthansa und Air Berlin. Auch andere europäische Airlines wie Air France KLM seien problemlos in der Luft gewesen. Falls bei dieser Datenlage nicht bald über die Aufhebung des Flugverbots entschieden wird, prüfe die Lufthansa, „ob Schadenersatz oder Ausgleichszahlungen von der Bundesregierung eingefordert“ werden, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther.
Um das Chaos in der Luftfahrt in den Griff zu bekommen, sollen nun am Montag erstmals die europäischen Verkehrsminister tagen. Wie die spanische EU-Ratspräsidentschaft in Madrid mitteilte, soll die Sitzung um 18 Uhr per Videokonferenz abgehalten werden. Die Verkehrsminister wollen über die Folgen der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island beraten, sagte der spanische Verkehrsminister José Blanco.
Außerdem soll über Alternativen zum Flugverkehr gesprochen werden. Denn nicht nur Passagiere stecken fest, sondern auch Waren wie Blumen, Lebensmittel wie Frischfisch oder das iPhone werden derzeit nicht mehr nach Europa geflogen.
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat unterdessen das bisherige Vorgehen der deutschen Behörden angesichts der Auswirkungen des Vulkanausbruchs in Island scharf kritisiert. Er vermisse einen Krisenstab des Bundesverkehrsministeriums, sagte Hunold. Außerdem forderte er eine zeitweise Aufhebung des Nachtflugverbotes, wenn wieder geflogen werden darf. Doch dies ist in Deutschland Ländersache. Ramsauer appellierte deshalb an die Länder, nach einer Entspannung der Lage auch die Möglichkeit einer vorübergehenden Lockerung von Nachtflugverboten in die Überlegungen mit einzubeziehen.
Der Bundesverkehrsminister entscheidet zusammen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS), ob und wann der Luftraum über Deutschland wieder freigegeben werden kann. Aller Voraussicht nach wird er aber frühestens ab Dienstag den Airlines eine Flugerlaubnis erteilen.
Ramsauer hat angekündigt, dass zuvor am Montagabend ein Messflugzeug mit Wissenschaftlern des Instituts für Atmosphärenphysik in Oberpfaffenhofen starten wird, um Daten zur weiteren Entscheidungsfindung zu sammeln.
Wenn erst in einigen Tagen wieder geflogen werden darf, könnte es für einige europäische Fluggesellschaften finanziell sehr schnell eng werden. Viele bezahlen Kerosin und andere Kosten aus den laufenden Einnahmen. Je geringer die Rücklagen sind, umso schwieriger dürfte es für einige werden, ihre derzeit am Boden stehenden Flotten wieder in die Luft zu bringen.'Das VAAC in London überwacht die Bewegungen von Vulkanasche-Wolken für die internationale Luftfahrt.','Es ist Teil eines weltweiten Netzwerkes von insgesamt neun Zentren, die von der internationalen Luftfahrtorganisation International Civil Aviation Organization (ICAO) ins Leben gerufen wurden.','Neben London gibt es unter anderem noch Standorte in Washington, Buenos Aires, Toulouse und Montreal.','Die Wissenschaftler der Vulkanasche-Beratungszentren beobachten rund um die Uhr mit Hilfe von Satellitenbildern und Wetterdaten, ob ein Vulkan Asche spuckt.','Ist eine Wolke entdeckt, wird ihre Bewegung im Luftraum verfolgt und vorhergesagt. Dafür nutzen die Forscher Modelle und Computersimulationen.','Datengrundlage sind neben Satellitenbildern und Wetterdaten auch Messergebnisse und Beobachtungen verschiedener anderer Vulkanbeobachtungs- und Luftfahrtorganisationen sowie Berichte aus Flugzeugen, die in der Luft sind.','Besteht Gefahr für Flugzeuge durch Vulkanasche in der Luft, gibt das Zentrum Warnungen heraus. Das Londoner Zentrum ist für den britischen Luftraum, Island und den nordöstlichen Teil des Atlantiks zuständig.','Es gehört zum britischen Wetterdienst und damit zum Verteidigungsministerium.' ); var hideTextAds = false; var hideTextAdReload = true; var showTextBanner = false; adCount[1] = "4"; adCount[3] = "2"; galleryChannel[1] = "wirtschaft"; galleryChannel[3] = "wirtschaft"; // -->