Angst um den Euro: Die Staatsverschuldung nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien und Portugal beunruhigt die Märkte weiterhin massiv. Weltweit sackten die Aktienkurse, Anleger flüchteten in Bundesanleihen.
"Alarma, casi pánico" überschreibt die sonst eher besonnene spanische Tageszeitung "El País" ihren heutigen Leitartikel. Fast eine Panik, in der Tat. An der Madrider Börse fiel der Ibex, der Index der 35 größten spanischen Werte, gestern um 5,94 Prozent – der größte Tagesverlust seit November 2008. Charttechnisch durchbrach der Ibex die 200-Tage-Linie. Lissabons Leitindex schloss mit fünf Prozent im Minus. Auch der Handel am Freitag startete mit deutlichen Kursverlusten.
Beide Börsen waren 2009 noch besser gelaufen als etwa der Dax. Die schlechte Stimmung verbreitete sich am Donnerstag über die Grenzen: Der New Yorker S&P-500-Index verlor rund drei Prozent, der europäische Leitindex EuroStoxx 50 dreieinhalb Prozent.
Weiter Brand-Sorgen
Die Haushaltsprobleme Griechenlands beherrschten in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen, aber nun hat sich der unrühmliche Kreis der Sorgenkinder erweitert. Portugal ist der nächste Wackelkandidat, betrachtet man die am Finanzmarkt zu zahlenden Risikoaufschläge bei Staatsanleihen – aber gefährdet sind auch Irland, Spanien und Italien.
"Die Sorge vor einem Flächenbrand in der Eurozone besteht fort", sagte Devisenexperte Andreas Ertl vom Bankhaus M.M. Warburg. Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman nannte Spanien einen potenziell größeren Brandherd als Griechenland.
Eurokurs sinkt
Das drückt auf den Kurs der Gemeinschaftswährung. Der Euro notierte am Morgen zeitweise bei 1,3649 Dollar, dem niedrigsten Stand seit Juni 2009. Damit hat sich nach Ansicht der Devisenanalysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) das kurzfristige Erholungsszenario verflüchtigt. "Weitere Kursverluste können nicht ausgeschlossen werden, da auch die technischen Indikatoren ihre Aufwärtstendenzen zunächst beendet haben", schreibt die Helaba in einem Kommentar. Die nächsten Haltemarken lägen bei 1,3635 und bei 1,3582. Gegenüber dem japanischen Yen liegt der Euro sogar auf einem Zehn-Monats-Tief.
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Deutsche Staatsanleihen fester
Auch der Rentenmarkt befindet sich in Wallung. Die Risikoaufschläge für portugiesische und spanische Staatsanleihen, also die Überrenditen gegenüber deutschen Rentenpapieren, stiegen am Donnerstag um teilweise über 20 Basispunkte, das sind 0,2 Prozentpunkte.
Davon profitierten Bundesanleihen. Auf den Bund-Future, das wichtigste Kursbarometer für die deutschen Staatsanleihen, wurden rund 1,2 Millionen Kontrakte umgesetzt - ungewöhnlich viel für einen einzelnen Handelstag.
Was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn sich die Zahlungsschwierigkeiten mancher Euroländer verschärfen, darüber herrscht auch bei Finanzfachleuten ein Stück Ratlosigkeit. Wenn etwa Griechenland aus der Währungsunion austreten würde, hätte das "kaum zu bewältigende Folgen" für das Land, meint Andreas Rieger von Raiffeisen Capital Management. "Das Bankensystem des Landes würde vermutlich kollabieren."
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Griechenland hat ein Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung Was tun, sprach nicht nur Zeus
Das kann nicht im Interesse der EU sein, trotz aller Beteuerungen, es werde für Griechenland und Co. keinen Blankoscheck geben. Auch die Europäische Zentralbank blickt mit Sorge auf die Diskrepanzen in ihrem Währungsraum. Offiziell hält Jean-Claude Trichet den Ball natürlich flach. Beim Sanierungsprogramm Griechenlands handle es sich um "Schritte in die richtige Richtung", erklärte der EZB-Chef gestern in Frankfurt. Die Zentralbank sei sicher, dass Griechenland alle nötigen Entscheidungen treffen werde.
In Spanien, dessen Volkswirtschaft viermal so groß ist wie die griechische, missfällt der Regierung der Griechenland-Vergleich zunehmend. "Spaniens Lage ist nicht so wie in Griechenland, weder in Bezug auf die Staatsschulden noch auf unsere Wirtschaftskraft", sagte die Finanzministerin Elena Salgado in einem Radiointerview. Ihr Kabinettskollege Manuel Chaves betonte, dass sein Land ein "absolut vernünftiges" Konsolidierungsprogramm aufgelegt habe. Auch Portugals Finanzminister Teixeira kündigte einen energischen Sparkurs an. Seine Minderheitsregierung braucht dafür aber die Unterstützung von Abgeordneten der Opposition.