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Geschrieben am 1 Juni 2009 - 6 Kommentar(e) [ Kommentar ] - 0 Trackback(s) [ Trackback ]
Category: Der gemolkene Geldsack

Krise kostet jeden Deutschen 1700 €.

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise ist das Geldvermögen der Deutschen im vergangenen Jahr um rund 140 Milliarden Euro geschrumpft.

Geld verloren die ca. 82 Mio. Deutsche nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) besonders durch ihre Aktien. Demnach betrug Ende 2008 das private Aktienvermögen 166 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor besaßen die Deutschen laut BdB noch Aktienbestände im Wert von 375 Milliarden Euro.

Insgesamt ging das Vermögen deutscher Haushalte im Verlauf des vergangenen Jahres auf 4,4 Billionen Euro zurück.

Beim Sparen und Vorsorgen setzen die Deutschen laut BdB auf Sicherheit.
•     Gut 1,7 Billionen Euro ruhen in Spar-, Sicht- und Termineinlagen sowie Bargeld.
•     Die Geldanlagen bei Versicherungen einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds sowie
      berufsständischen Versorgungswerken betragen demnach knapp 1,3 Billionen Euro.
•     Rund eine halbe Billion Euro sind in Investmentfonds angelegt.

Quelle: Börsen Newsletter vom 01.06.2009

Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, kann man doch immer noch behaupten:

WIR SIND STINKREICH!  alt

Oder ..... ?

Geschrieben am 20 Mai 2009 - 2 Kommentar(e) [ Kommentar ] - 0 Trackback(s) [ Trackback ]
Category: Gerüchteküche

Es fängt mit einem Flüstern an
und hört mit einem peinlichen Knall auf!

Eigentlich spielt es keine Rolle, um was es bei einem Gerücht geht - sei es das Ableben eines Promis, die Verfehlung eines Politikers oder Wirtschaftsbosses oder der fulminante Erfolgssturm eines Wertpapiers oder deren Absturz. Irgendwie fängt alles ganz leise und harmlos an, bauscht sich dann auf, weil jeder (vollkommen unkritisch) auf den Zug aufspringen will, und endet nur zu oft in einem Desaster, an dem keiner Schuld sein will. Beste Beispiele gibt es z.B. aus der Zeit des NEUEN MARKTES, der viel verbrannte (Kapital-)Erde hinterlassen hat und in der sogar etliche Todeslisten herumgereicht wurden. Oder auch die "Hitler-Tagebücher": ein Betrug, den keiner sehen wollte, denn die Sensation war einfach zuuuu schön.

Aber glücklicherweise erlebt man auch, dass Totgesagte manchmal länger leben, als es dem Gerüchtekoch lieb ist alt
Wie so etwas geht, wird im nachfolgenden Artikel sehr anschaulich beschrieben.

Gruß Missi

 

 

19.05.2009

Medien erklären Patrick Swayze fälschlicherweise für tot

Peinliche Panne: Der Fernsehsender n-tv und mehrere Online-Auftritte großer Zeitungen haben den Tod des krebskranken Schauspielers Patrick Swayze gemeldet. Eine Sprecherin des Künstlers dementierte umgehend.

Hamburg - Das Banner war leuchtend rot und nicht zu übersehen: "Breaking news" tickerte der Nachrichtensender n-tv an diesem Dienstagabend, gegen halb sieben Uhr, in die Welt hinaus: "US-Medien: Patrick Swayze stirbt an Krebs +++ Swayze brach Therapie trotz Krebsleiden ab."

Telefonisch wurde sodann die New Yorker Korrespondentin zugeschaltet, die mit viel Anteilnahme in der Stimme und wenig Distanz zu der Nachricht dem Moderator erklärte, der Schauspieler sei tatsächlich verstorben. Ihre Quellen nannte sie nicht.

Doch Patrick Swayze lebt.

Ein Sprecher der Agentur William Morris (WMA) aus Los Angeles, die den Schauspieler betreut, sagte SPIEGEL ONLINE zur selben Zeit, da n-tv die Todesnachricht überbrachte: "Patrick Swayze lebt, es geht ihm gut." Wenig später erreichte SPIEGEL ONLINE zudem eine schriftliche Stellungnahme von Swayzes Sprecherin Annett Wolf: "Patrick Swayze lebt, es geht ihm gut, er genießt sein Leben und spricht weiterhin auf die Behandlung an."

Gegen 18.30 Uhr stellte dann "Bild.de" für wenige Minuten die "Eilmeldung" von Swayzes Tod ins Netz - natürlich unter Berufung auf n-tv, die sich sofort revanchierten und in ihrem Nachrichtenbanner vermeldeten: "Bild: Patrick Swayze gestorben." So schloss sich der Kreis. Wenig später, es war 18.48 Uhr, sprang auch die "B.Z." auf: "Krebs-Tod - Patrick Swayze ist tot." Weitere Nachrichtenportale und Fernsehsender schlossen sich an.

n-tv-Sprecherin Sonja Friedrich erklärte zunächst auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, das New Yorker Korrespondentenbüro des Senders habe die Nachricht in "US-Medien" entdeckt. Man gehe der Sache jedoch nun nach. Zu diesem Zeitpunkt lief die Meldung bereits seit einer halben Stunde über den Sender.

Wenig später hieß es dann: Leider habe man nicht herausfinden können, auf welche "US-Medien" die Nachricht von Swayzes Tod zurückgehe. Sicher sei aber nun, "dass sich die Meldungen nicht bestätigt haben". Das werde man den Zuschauern zu nächster Gelegenheit mitteilen. Der zuständige Sprecher der Axel Springer AG, die "Bild" und "B.Z." herausgibt, reagierte zunächst nicht auf eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage.

Offenbar stammt die Falschmeldung ursprünglich von kleineren US-Radiostationen. Michael Höfele, Geschäftsführender Chefredakteur der Deutschen Textservice Nachrichtenagentur GmbH (dts), die bereits um 17.28 Uhr über das "angebliche" Ableben des Schauspielers geunkt hatte, sagte SPIEGEL ONLINE: "Bei zwei kleinen US-Radiosendern ging die Meldung über den Äther." Es habe sich um die Stationen 97,9 und 105,3 KissFM aus Florida gehandelt.

Auch Swayzes Sprecherin machte einen Radiosender in Jacksonville, Florida, für die Fehlinformation verantwortlich, die sich um die Welt verbreitet hatte.

Bei dem 56-jährigen Schauspieler, der mit dem Film "Dirty Dancing" weltberühmt wurde, war 2008 Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden. Die Krankheit gilt als besonders gefährlich und aggressiv.

Am späteren Dienstagabend korrigierte n-tv seinen Fehler auch im Netz: "Der Mann ist zwar sehr, sehr krank, aber: Er lebt!"

jdl/pad/siu

Geschrieben am 14 Mai 2009 - 2 Kommentar(e) [ Kommentar ] - 0 Trackback(s) [ Trackback ]
Category: Dumm gelaufen

Wie kann man nur so blöd sein alt

Allerdings frage ich mich, wer zahlt denn nun den ganzen Spaß?
Und bleibt da von den 20.000 € noch etwas über?

 

13.05.09

Tausende Euro flatterten aus Cabrio

Ein junger Mann aus Niedersachsen wollte ein Cabrio kaufen, hatte 23.000 Euro in bar dabei. Bei der Probefahrt legte er das Geld auf den Rücksitz - und die Scheine flatterten auf die Autobahn 2.

Hannover - Bei einer Probefahrt mit einem Cabrio auf der Autobahn 2 bei Hannover sind einem 23-Jährigen am Mittwoch durch ein Missgeschick Tausende Euro abhandengekommen.

 

alt

Auf der Suche nach dem verlorenen Geld: Tausende Euro wirbelten einem jungen Mann aus Niedersachsen aus dem Cabrio

 

Der junge Mann hatte das Geld für einen späteren möglichen Kauf des Autos auf der Rückbank deponiert. Offenbar wirbelte dann aber bei rasanter Fahrt der Wind die Summe auf, unzählige Scheine flatterten aus dem Auto auf die Fahrbahn.

Zum Einsammeln des Geldes wurde die Autobahn 2 zwischen Garbsen und Hannover-Herrenhausen vorübergehend in beiden Richtungen gesperrt.

Mit 20.000 Euro fanden Beamte aber nur einen Teil des verlorenen Geldes und händigten es dem 23-Jährigen aus. Ob diese Summe ausreichte, um den Wagen noch kaufen zu können, war zunächst unklar.

pad/ddp

Geschrieben am 13 Mai 2009 - 0 Kommentar(e) [ Kommentar ] - 0 Trackback(s) [ Trackback ]
Category: Erfolg um jeden Preis

Stellvertretend für einen Zocker-Börsianer steht diese Geschichte, die von einem Spielsüchtigen erzählt. Eine Geschichte, die man immer wieder beobachten kann - sei es an der Börse oder im Casino. Auch in der Literatur sind diese tragischen Gestalten zu finden - unvergessen und als hervorragendes, zeitloses Beispiel  "Der Spieler" von Dostojewski. Und immer wieder steht im Vordergrund die Sucht, erlittene Verluste beim nächsten Deal wieder wett zu machen - was den wenigsten gelingt.

 

NIEDERGANG EINES MULTIMILLIONÄRS

Der Mann, der sein Leben verzockte
Von Barbara Hans, Delmenhorst
 
Klaus F. Schmidt verdiente mit einer Sprudelmaschine ein Millionenvermögen, besaß Yacht, Luxus-Sportwagen, ein Haus am See. Dann verzockte er alles am Roulette-Tisch - und wurde zum Hartz-IV-Empfänger, der Flaschen sammeln musste. Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt.
 
Delmenhorst - Es ist ein grauer Tag im Oktober 2000, an dem nichts mehr geht. Klaus F. Schmidt sitzt am Roulette-Tisch der Spielbank Bremen, er denkt an die Gitarre, die er seinem jüngeren Sohn zu Weihnachten versprochen hat, an die Mietnachzahlung, die er für den älteren übernehmen will.
Klaus F. Schmidt schaut auf die Roulettescheibe, die sich dreht "wie der Kessel in der Waschmaschine" und setzt seinen letzten Jeton auf die Eins. Die Eins soll ihm die fast fünf Millionen zurückbringen, die er in den vergangenen 24 Monaten in der Spielbank gelassen hat.
"Rien ne va plus. Nichts geht mehr."
 
Die Zahlen sind gesetzt. Doch Schmidt zweifelt, seine Gedanken sind wirr: Seine Großmutter, bei der er aufgewachsen ist, hatte am 1. Geburtstag, aber seine Glückszahl ist eigentlich die 17. Doch die Kugel rollt. Er bittet den Croupier, noch einmal umsetzen zu dürfen. Eigentlich verletzt das die Regeln, das weiß Schmidt. Doch er ist ein guter Kunde, ein sehr guter Kunde. "Die Eins spielt die 17", es hat geklappt.
 
Die Kugel rollt, wird langsamer - und fällt in die Eins.
 
Schmidt hat verloren. Erst, mit dem Rückzug aus dem Job, seine Aufgabe, dann seine Kontrolle, irgendwann seine Selbstachtung, schließlich sein Vermögen. Fünf Millionen DM sind futsch, verzockt. Es war das definitiv letzte Spiel, nichts ging mehr.
 
Schmidt holt den Mantel, verlässt das Casino durch die Drehtür, in seinem Kopf rotieren die Gedanken wie die Kugel im Kessel. Neben dem Eingang steht ein Straßenmusiker, Schmidt schaut ihn an, denkt "Ich kann dir nichts mehr geben". Die Blicke der beiden treffen sich, Schmidt greift in seine Manteltasche, um wenigstens seinen guten Willen zu zeigen - und findet einen 50-Mark-Schein.
 
Es zieht ihn zurück in den Saal, mit den 50 Mark könnte er die Kugel besiegen, gewiss. Er könnte es noch einmal versuchen, die fünf Millionen zurückholen, die Schmach wettmachen, das Haus, die Yacht, den Sportwagen zurückkaufen, die Gitarre besorgen und die Mietrückzahlung übernehmen. Die Kugel rollt schon wieder in Schmidts Kopf.
 
Doch plötzlich ist der Rausch vorbei. "Schmidt, hör auf zu spinnen", denkt er, greift nach dem Schein - und gibt ihn dem Straßenmusiker.
"Guten Tag gehabt, was?", fragt der. Zum Dank spielt er Schmidt ein Lied, als der langsam auf der Bremer Böttcherstraße davongeht. "It's all over now, baby blue", Bob Dylan. Es ist der Soundtrack zu Schmidts Leben.
 
Schmidt muss liquidieren, Schmidt fängt wieder von vorn an
 
"Manchmal denke ich, irgendwer führt Regie in meinem Leben", sagt Schmidt. Er sitzt vor einem Glas Mineralwasser in einem Hotel in Delmenhorst, am selben Ort, wo er einst Verträge für Sodastream aushandelte. Die Decke ist holzvertäfelt, die Theke verspiegelt, die Sitzbänke sind mit schwerem, braun-grünem Stoff bezogen. In den Saal nebenan bringt die Kellnerin auf einem silbernen Tablett Kännchen für den Beerdigungskaffee.
 
Schmidt ist nach Delmenhorst zurückgekehrt, wo 1993 in drei abgewrackten Räumen die Erfolgsgeschichte von Sodastream begann. Von hier ging es für Schmidt zunächst steil bergauf - in eine Wohnung nach Luxemburg und ein Haus am IJsselmeer. Nach dem tiefen Fall kehrte er hierher zurück, heute lebt der 59-Jährige in einem 16-Quadratmeter-Zimmer unter dem Dach. "So wie Spitzwegs armer Poet. Nur, dass es bei mir nicht reinregnet."
 
1993 steigt er als Berater in die Firma eines Freundes ein. Der will eine Küchenmaschine aus Großbritannien auf dem deutschen Markt etablieren, die aus Leitungswasser Sprudel macht. Schmidt ist ohne Arbeit, er lässt sich auf das Projekt ein. Er hat nichts zu verlieren.
 
Aus Holzpaletten baut er sich einen Schreibtisch. Die Post stellt das Telefon mehrfach ab, die Vermieterin steht regelmäßig vor der Tür, weil die Miete nicht gezahlt ist, bei der Bank gibt man Schmidt und seinen Geschäftspartnern nicht einmal mehr 50 Mark für Briefmarken. Vor dem Gerichtsvollzieher verstecken sich Schmidt und seine Kollegen hinter einem schweren, speckigen Samtvorhang.
 
1993 kostet ein Sodastreamer 259 Mark, und es scheint nicht, als habe Deutschland auf diese Erfindung gewartet. Mit einer Tagesfahrkarte tingelt Schmidt nach Bremen, auf der Suche nach potentiellen Kunden, geht von Geschäft zu Geschäft. Vergeblich.
 
Doch Schmidt ist ein Macher, er lebt in Superlativen - in positiven wie in negativen. Sein Leben ist eine Achterbahnfahrt, nie Durchschnitt. An seiner Hauptschule ist er der schlechteste von 800 Schülern, sein Lehrer prophezeit ihm, er werde als "obdachloser Nichtsnutz" enden.
 
Doch Schmidt ist auch Autodidakt: Als junger Mann liest er juristische Loseblattsammlungen, vertritt dann Freunde vor dem Amtsgericht. Er leitet einen Handwerksbetrieb und eine Werbeagentur, gibt eine Zeitung heraus. Immer wieder gehen seine Projekte den Bach runter. Schmidt muss liquidieren, Schmidt fängt von vorne an. Es ist das ewig gleiche Spiel. Wenn scheinbar nichts mehr geht, beginnt Schmidt zu kämpfen.
 
Schmidt wird geschätzt, aber nicht mehr gebraucht
 
"Ich habe keine Angst vor Dingen, von denen ich nichts verstehe. Ich habe oft Sachen gemacht, von denen ich nichts verstanden habe. Und es hat immer ganz gut geklappt."
 
Schließlich stellt Jean Pütz den Sodastreamer in seiner WDR-Sendung "Hobbythek" vor. "Bevorraten Sie sich!", rät er Schmidt und seinen Kollegen vor der Ausstrahlung - und behält Recht.
 
1993 macht die Firma 100.000 Mark Umsatz, 1997 sind es 67,8 Millionen. Schmidt wird Geschäftsführer und zieht mit Ende 40 schließlich nach Luxemburg, um Sodastream in den Benelux-Ländern auf den Markt zu bringen.
 
Doch auf dem Höhepunkt seines Erfolges steigt Schmidt aus.
 
1998 steht der Sodastreamer in vielen deutschen Küchen. Schmidt hat damals einen Job, aber keine wirkliche Aufgabe mehr. Er hat die Firma aufgebaut, er hat sie groß gemacht, doch die Arbeit gibt ihm keinen "Kick" mehr, wie er heute rückblickend sagt. Er ist ausgelaugt, Stress und Anspannung der vergangenen Jahre machen sich bemerkbar.
 
Schmidt, der Kämpfer, muss im Krankenhaus behandelt werden, weil sein Kreislauf schlapp macht. Burn-out, würde man heute sagen. Nichts geht mehr.
Schmidt ist ausgepowert. Er wird geschätzt in der Firma, aber nicht mehr gebraucht. Er ist 49, als er beschließt, seine Anteile zu verkaufen. Wenn er heute davon erzählt, was ihn damals dazu brachte, wird Schmidt, der Anekdotenerzähler, der Redner, ruhig, nachdenklich. Manchmal zuckt er in der Anspannung fast unmerklich mit dem Kopf, als wolle er eine Fliege verscheuchen.
 
Er bekommt mehr für seinen Anteil, als er erhofft hat: Fünf Millionen Mark zahlt sein Partner ihm aus. Schmidt ist noch keine 50, er hat Geld, aber keinen Lebensinhalt mehr. Er sucht die Freiheit, die ihm der Reichtum bietet - Arbeitslosenzahlen, Preissteigerungen, all das braucht ihn fortan nicht mehr zu interessieren - doch er findet sie nicht. Die Freizeit macht ihn einsam. Jetzt, da eigentlich alles geht, geht nichts mehr.


Schmidt verzockt ein Zweifamilienhaus - an nur einem Abend

Schmidt kauft sich einen Luxus-Sportwagen, eine Dodge Viper, eine Yacht, ein Haus am IJsselmeer in den Niederlanden, edle Anzüge. Junge Frauen bewundern ihn, er lädt Freunde zu Segeltörns ein. Doch die haben keine Zeit, müssen arbeiten. Schmidt ist reich, aber er hat niemanden, den er daran teilhaben lassen kann.
 
Er ist auf dem Weg zu seinem Sohn nach Bremen, als er wenige Wochen später an der Ausfahrt "Zwischenahner Meer" von der A28 abfährt. Schilder weisen den Weg zur Spielbank Bad Zwischenahn. Schmidt kehrt ein, isst im Restaurant. Das Casino zieht ihn an, er sei halt ein neugieriger Mensch, sagt Schmidt heute lapidar.
 
Er tritt ein, der dicke Teppich verschluckt die Stimmen, Schmidt hört gedämpftes Gemurmel, sieht gut gekleidete Menschen, höfliche Gesten. "Manierlich" nennt er das alles. Die Etikette, das viele Geld - Schmidt ist beeindruckt.
 
Für die richtige Zahl wird er in den kommenden rund 24 Monaten alles riskieren - und alles verlieren.

Seine Selbstkontrolle gibt er fortan ab, so, wie er den Mantel an der Casino-Garderobe abgibt. Schmidt, der Macher, verliert die Fäden, die er immer in der Hand gehalten hat, wird selbst zur Marionette.

 

Das Spiel ist wie ein Rausch, die Zeit zieht an ihm vorbei, mal bleibt er nur kurz, dann wieder viele Stunden, meist jedoch so lange, bis er kein Geld mehr hat. Geht er doch mit Scheinen in der Tasche nach Hause, dann nur, weil das Casino schließt, er gehen muss.
 
Schmidt, der Stratege, hat eine neue Aufgabe: Er will die Kugel besiegen. Er will vorhersagen, in welches Nummernfach sie fällt, will sich das verlorene Geld zurückholen. Es ist ein Spiel um Macht, Schmidt ringt mit der Spielbank, mit dem Roulette, er will sich nicht damit abfinden, dass er verliert. "Ich habe gedacht, wenn ich mich mehr mit der Materie beschäftige, würde ich auch nicht mehr verlieren, habe den Einsatz als Lehrgeld gesehen, das ich mir zurückhole, weil ich ja ein cleveres Kerlchen bin."
 
An einem Abend verspielt er ein Zweifamilienhaus, mit 364.000 Mark geht er rein, mit 7000 geht er raus.
 
Klaus J. Schmidt: "Multimillionär a.D."
 
"Ich fand mich bedauernswert. Aber wenn ich mich bedauert habe, musste das wenigstens kein anderer machen." Schmidt lässt sich sperren, und spielt schließlich doch wieder. Sein Wohnmobil parkt auf dem Gelände der Spielbank, so ist er näher am Glück.

An jenem Abend im Oktober 2000 hat Schmidt endgültig alles verspielt. Als er bei Bekannten um Unterschlupf bittet, wollen die im Gegenzug mit Schmidt auf dem IJsselmeer segeln. Sie ahnen nicht, dass er mittellos ist. Schmidt muss sich offenbaren: erst bei seinen Bekannten, später beim Sozialamt.

Hartz IV klagt er in zweiter Instanz beim Sozialgericht ein: Man glaubt ihm zunächst nicht, dass kein Geld mehr übrig ist. Das Jobcenter ist in die früheren Sodastream-Büroräume gezogen, Schmidts Beraterin sitzt auf dem Stuhl, auf dem einst eine seiner Angestellten saß. Er sammelt Pfandflaschen, ist ganz unten.

"Diese Berg- und Talfahrt, dieses himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, einmal gelingt alles wie im Schlaf, dann gelingt gar nichts und alles fällt in sich zusammen. Das macht auf Dauer müde, aber so verläuft ein Leben. Ich habe aufgehört, zu grübeln, wofür das gut sein soll. Und ich habe die Angst vorm Fallen verloren."

Doch Schmidt kämpft: nicht länger gegen die Kugel, nicht länger gegen sich selbst, sondern gegen die Spielbanken. Schmidt will aufklären, vor Spielsucht warnen, die Zusammenhänge zwischen Glücksspiel, den Interessen der Länder und Finanzämter aufdecken, ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wenig es braucht, um die Kontrolle zu verlieren - und wie schnell es soweit ist, dass nichts mehr geht.

 
Er verliert einen Prozess, weil der Richter ihm keine Spielsucht attestiert. Wenn das Spielen pathologisch wäre, dann hätte er an jenem Abend im Oktober nicht einfach aufhören können, urteilt das Gericht.
 
"Multimillionär a.D." steht auf Schmidts Visitenkarte, inzwischen arbeitet er wieder als Berater für kleine Unternehmen, versucht sich an der Vermarktung einer russischen Sängerin, Hartz IV bezieht er nicht mehr. Er lebt allein. "Wenn man keinen Partner hat, kann man auch nicht verlassen werden", sagt er.
Wer nichts hat, kann auch nichts verlieren.
 
 
 Â© SPIEGEL ONLINE 2009
Geschrieben am 11 Mai 2009 - 0 Kommentar(e) [ Kommentar ] - 0 Trackback(s) [ Trackback ]
Category: Wissenschaft

Wenn der Mensch stirbt, bleibt der Nachwelt oft nur ein Grabstein, der an ihn erinnert - und auch dies meist nur für einen bestimmten Zeitraum.

Gewiss, es gibt  neuzeitliche Errungenschaften wie Film und Foto, die an die Verblichenen erinnern, aber auch diese sind nur zweidimensionale Abbilder. Hohe Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erfreuen sich seit der Antike dreidimensionaler Verewigungen, die sie oftmals selbst in Auftrag gegeben und die z.T. die einzigen Bilder/Statuen/Monumente sind, die der interessierten Nachwelt geblieben sind. Wen würde es nicht interessieren, wie Cleopatra oder Nofretete wirklich ausgesehen haben? Kein Bildhauer kann das Leben so in Stein meißeln, wie es gelebt wird. Auch die Mumifizierung von hochgestellten Persönlichkeiten / Königen / Pharaonen, etc. ist begrenzt in ihren Möglichkeiten.

Um so erstaunlicher fand ich den nachfolgenden Artikel über die schönste Mumie der Welt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich für alle Ewigkeit in einem solchen Glassarg gefangen sein möchte - erinnert ein wenig an Schneewittchen, wobei dieses nur auf ihren Prinzen wartete, um wieder zum Leben erweckt zu werden.

 

11.05.2009

EINBALSAMIERUNG

Forscher lösen Rätsel der makellosen Mumie

Von Angelika Franz

Rosalia Lombardos Leiche gilt als schönste Mumie der Welt. Seit langem rätseln Experten, mit welcher Technik das vor fast 90 Jahren in Palermo gestorbene Mädchen präpariert wurde - jetzt haben Forscher die Formel für die entscheidende Flüssigkeit entdeckt.

Rosalia Lombardo war eines der letzten Opfer der Spanischen Grippe. Als sie im Jahr 1920 starb, hatte sie noch nicht einmal ihr drittes Lebensjahr vollendet. Ihr Vater, der sizilianische General Mario Lombardo, war außer sich vor Trauer. Er wollte sein kleines Mädchen nicht verlieren. Also bekniete er die Mönche des Kapuzinerklosters Palermo, Rosalia einen Platz in deren Gruft, den Catacombe dei Cappuccini, zu gewähren.

Eigentlich wurden dort bereits seit 30 Jahren keine Toten mehr bestattet. Aber die Mönche machten eine Ausnahme. So musste der General seine Tochter nicht unter der Erde begraben, sondern konnte sie besuchen und anschauen, so oft er wollte. Denn das Mikroklima in der Gruft sorgte dafür, dass Leichen außergewöhnlich gut erhalten blieben.

Mario Lombardo aber wollte nicht nur seine Tochter für die Ewigkeit bewahren, sondern auch ihre Schönheit. Also rief er Alfredo Salafia zu Hilfe. Der Einbalsamierer war bereits eine Berühmtheit weit über die Grenzen der Insel hinaus. 1902 hatte er den Körper von Italiens Premierminister Francesco Crispi behandelt, zwei Jahre später den Erzbischof von Palermo, Pietro Michelangelo Celesia. Beide wurden wiederholt exhumiert - und sahen jedes Mal so aus, als seien sie nur für ein Mittagsschläfchen kurz eingenickt. Sogar in New York präparierte Salafias Neffe Achille Salomone für das Familienunternehmen, die Salafia Permanent Method Embalming Company, Leichen.

Geheimnis mit ins Grab genommen

Salafia war der richtige Mann für Lombardo - und die kleine Rosalia sollte jener Leichnam werden, für den der Einbalsamierer bis heute bekannt ist. Denn selbst nach fast 90 Jahren verzaubert das Mädchen in ihrem Glassarg noch die Besucher. Jedes Härchen auf ihrer pfirsichfarbenen Haut ist erhalten. Das Gesicht ist so zart und friedlich, als sei sie eben erst eingeschlafen. Rosalia gilt als die schönste Mumie der Welt.

alt

Wie hat der Meistereinbalsamierer das vollbracht? Bekannt war nur, dass Salafia Rosalias Blut gegen eine andere Flüssigkeit austauschte. Die genaue Rezeptur dieses "Salafia Perfection Fluid" aber blieb ein gut gehütetes Familiengeheimnis. So gut, dass Salafia es mit in sein Grab auf dem Friedhof Santa Maria di Gesù nahm, als er 1933 starb.

 

Die Mumie der Rosalia Lombardo fasziniert seitdem die Besucher - und die Wissenschaft. Doch die Kapuzinermönche weigern sich, den Leichnam für eine Probenentnahme freizugeben - schließlich hatten sie Rosalias Vater versprochen, dass seine Tochter in Frieden ruhen würde. Salafias Geheimnis schien für immer verloren, bis eine Gruppe italienischer und amerikanischer Wissenschaftler seine Nachfahren aufspürte und in seinem Nachlass ein Manuskript mit dem Titel "New special method for the preservation of the entire human cadaver in the state of permanent freshness" entdeckte.

In der wunderschön geschwungenen Handschrift des Einbalsamierers stand darin notiert, was er in Rosalias Adern injiziert hatte: ein Teil Glyzerin, ein Teil Formalin, angereichert mit Zinksulfat und Chloriden, dazu ein dritter Teil Alkohollösung mit Salicylsäure. In der Märzausgabe der Zeitschrift "Virchows Archiv" berichten die Forscher von ihrem Fund.

"Im Großen und Ganzen unterscheidet sich die Flüssigkeit also gar nicht so sehr von dem, was wir heute benutzen", sagt Melissa Johnson-Williams im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Co-Autorin des Aufsatzes und Vorsitzende der American Society of Embalmers muss es wissen - schon ihre beiden Eltern arbeiteten als Einbalsamierer, und sie selber ist Expertin für historische Einbalsamierungstechniken. "Lediglich Zink wird heute nicht mehr benutzt, weil es schwierig zu handhaben ist."

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Kapuziner-Gruft in Palermo: Der Anthropologe Dario Piombino-Mascali untersucht die Kindermumie. Gemeinsam mit Forscherkollegen hat er das Geheimnis ihrer Mumifizierung gelüftet.


Abfluss über Venenschnitt

Auch mit dem Formaldehyd gehen die Einbalsamierer heutzutage sparsamer um. Formalin, eine 35- bis 37-prozentige Lösung von Formaldehyd mit Methanol, wird fast nur zur Konservierung von Gewebeproben für anatomische Studien verwendet. Die üblichen Lösungen enthalten nur zwischen fünf und 35 Prozent des bei Lebenden krebserregenden Stoffes - je nach dem, wie lange der Leichnam noch aufbewahrt oder gar aufgebahrt werden soll.

Auch die von Salafia verwendete Technik zum Austausch der Körperflüssigkeit wird heute noch genau so von den Einbalsamierern praktiziert: Er stach die Kanüle in eine Oberschenkelarterie, platzierte den Behälter mit Flüssigkeit über Rosalias Körper und ließ die Schwerkraft arbeiten. Das verdrängte Blut floss über einen Venenschnitt ab. "Das ist die simpelste Methode", erklärt Johnson-Williams.

Nicht immer ist es so einfach. "Gerade bei Autopsien werden oft wichtige Blutgefäße durchtrennt." Dann muss man an mehreren Stellen die Flüssigkeit einleiten, entweder an den Armen oder auch an der Halsarterie. "Wir arbeiten heute mit elektrischen Pumpen, das macht die Arbeit sehr schnell", ergänzt sie. Etwa zwei bis zweieinhalb Stunden braucht ein Einbalsamierer heute nur noch, um einen Toten komplett für die Aufbahrung herzurichten.

An der Arbeit der Einbalsamierer hat sich also wenig geändert. "Wohl aber an den Toten", erzählt Johnson Williams. Nicht nur Autopsien, auch Organspenden und vor allem lebensverlängernde Maßnahmen verändern den Körper. "Früher starben die Menschen in einem einigermaßen guten körperlichen Zustand. Heute sind ihre Körper oft aufgeschwemmt und vollgepumpt mit Medikamenten." Manche dieser Stoffe reagieren mit den Chemikalien der Einbalsamierungslösung - da ist Vorsicht geboten.

Zwar gelingt es den Ärzten in vielen Fällen, das Leben von Menschen zu verlängern - der zähe Todeskampf aber zeichnet die Gesichter der Verstorbenen. Die Hinterbliebenen jedoch möchten ihre Angehörigen bei der Aufbahrung so sehen, wie sie ihnen aus glücklicheren Tagen noch in Erinnerung sind. "In solchen Fällen versuchen wir, an Hand von Fotos die Gesichter wieder so hinzubekommen, wie sie vor der letzten Lebensphase aussahen", verrät Johnson-Williams.

Das Aufhübschen von Leichen passt zu einer Kultur, die sehr auf das Aussehen fixiert ist. Der Schein soll im wahrsten Sinne des Wortes bis zum letzten Augenblick gewahrt bleiben. In Europa, und vor allem in Deutschland, wird post mortem nur minimal am Äußeren der Verstorbenen nachgebessert, gefragt ist eher eine möglichst natürliche Erscheinung - mit allen optischen Konsequenzen, die der Tod eben so mit sich bringt.

Noch etwas ist fast gleich geblieben, seit Alfredo Salafia die kleine Rosalia Lombardo für die Ewigkeit herrichtete: der Preis. 300 Dollar verlangte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Salafia Permanent Method Embalming Company für die Präparierung eines Leichnams. Auch heute ist eine Einbalsamierung schon für 300 Dollar zu haben. "Es kommt ein bisschen darauf an, wo man wohnt", erklärt Johnson-Williams die Preise. "In New York City würden sie aber deutlich mehr dafür zahlen müssen - so wie ja auch die Autohändler in den Ballungszentren mehr für den gleichen Wagen verlangen als in ländlichen Regionen."